Norweger planen grösstes RZ Europas

Hoffentlich verfahren sich die Containerlieferanten in diesem Labyrinth nicht: Ein 3D-Modell des Minen-RZs.
Das Riesen-RZ soll in eine verlassene Mine eingebaut werden.
 
In Norwegen soll bis im nächsten August das grösste Rechenzentrum Europas in den Boden gestampft werden. In den Boden? Genau: Das RZ wird in einer verlassenenen Mine eingebaut, in der früher das Mineral Olivin abgebaut wurde. Laut dem Betreiber Lefdal Mine wird es bis zu 120'000 Quadratmeter Nutzfläche bieten und damit zum Beispiel rund viermal grösser sein als das RZ von Facebook im schwedischen Luleå.
 
Das Riesen-Rechenzentrum wird in der Region Sogn og Fjordane in der Nähe des Örtchens Måløy gebaut. Der Betreiber hofft, dafür Kunden aus ganz Europa finden zu können. Das Minen-RZ soll nach den Sicherheits- und Verfügbarkeitsrichtlinien eines Tier-III-Rechenzentrums gebaut werden.
 
IBM und Rittal dabei
Zwei Pionierkunden sind IBM und Rittal. IBM will Infrastruktur für Backup- und Notfallservices einbauen. Der RZ-Infrastrukturhersteller Rittal soll das RZ ebenfalls benützen, ist aber auch Geschäftspartner von Lefdal Mine. Eine Besonderheit des Rechenzetrums soll es nämlich sein, dass der grösste Teil des IT-Equipments in Container eingebaut sein wird. Rittal soll der bevorzugte Lieferant dieser Container sein. Wie der Lefdal-Marketingchef Mats Andersson gegenüber 'DatacenterDynamics' erklärte, wird es nur etwa sechs Wochen dauern, um einen Container voll auszustatten, nach Lefdal zu verfrachten, anzuschliessen und Online zu bringen. Auf Wunsch können Kunden aber auch mit anderen RZ-Containeranbietern arbeiten.
 
Wenn das Minen-Rechenzentrum bei Kunden einschlägt, sollen dereinst alle sechs Stockwerke der einstigen Mine genutzt werden. Die Gänge und mehr als Hundert Hallen der Mine sollen über eine spiralförmige Verbindungsstrasse durchgängig mit Lastwagen erreicht und befahren werden können. Neben den Strassen sollen bis zu drei Container übereinander gestapelt werden. Ausser dem Container-Teil sind auch noch drei klassische Rechenzentrums-Hallen geplant, in denen normale Racks untergebracht
Lastwagen verteilen die Container in die Minengänge.
werden.
 
Nicht nur grün, auch billig, sagt Lefdal
Ein Argument für das RZ ist seine Umweltfreundlichkeit. Wasser für eine "Gratiskühlung" des Rechenzetrums wird aus dem nahegelegenen Fjord bezogen werden. Mit einem PUE -Wert von unter 1,1 soll es gemäss Lefdal Mine äusserst energieeffizient arbeiten. Ausserdem gibt es in der Gegend laut 'DatacenterDynamics' auch diverse hydroelektrische Kraftwerke, die günstigen und ohne CO2-Ausstoss produzierten Strom liefern können.

Das Rechenzentrum soll aber nicht nur "grün" sein, der Einbau in die ehemalige Mine macht laut Lefdal Mine auch kommerziell viel Sinn. Schliesslich sei das RZ-Gebäude - die Mine - sozusagen schon da. Die Ausgaben für das Land seien niedrig und auch die Investitionen für den Bau der Kühlanlage, der Sicherung der redundanten Stromversorgung und der Verbindung mit Glasfaserkabeln vergleichweise gering. Zudem sei die Mine auf natürliche Weise vor elektromagnetischen Pulsen geschützt. Und zu guter Letzt seien auch die Investitionen in den Perimeterschutz und andere physische Sicherheitsmassnahmen geringer, als bei einem normalen Gebäude. Insgesamt schätze man, dass die Baukosten pro Megawatt angebotener Leistung für die IT-Infratruktur um 30 bis 60 Prozent tiefer liegen werden als bei einem traditionellen Tier-III-Rechenzentrum. (hjm)
 
(Fotos: Lefdal Mine)