Duell der Standards im Internet der Dinge

Es kann nur einen geben, oder?
 
Neue Technologien im ICT-Bereich feiern oft dann ihren eigentlichen kommerziellen Durchbruch, wenn sich ein einheitlicher Standard durchsetzt. Dies dürfte auch beim "Internet der Dinge" (IoT) der Fall sein. Ein Standard gibt Unternehmen, die IoT-Produkte entwickeln wollen, die Sicherheit, dass sie nicht in eine technologische Sackgasse investieren. Ein offener Kommunkationsstandard könnte zudem sicherstellen, dass von den "Dingen" produzierte Daten nicht in abgeschotteten Silos landen.
 
Auf dem IoT-Gebiet gibt es allerdings mehrere Konsortien und Industrievereinigungen, welche einen solchen Standard schaffen wollen. Und alle finden, dass der eigene der beste sei und sich letztlich durchsetzen sollte.
 
Jason Verge hat in einem Hintergrundartikel für 'Datacenterknowledge' zwei der aussichstreichsten Kandidaten, AllSeen und OIC, analysiert und stellt sie einander gegenüber. AllSeen wurde ursprünglich von Qualcomm entwickelt, während das Open Interconnect Consortium OIC auf Initiative von Intel und Samsung enststand. Sowohl die AllSeen-Allianz als auch das OIC konnten in letzter Zeit viele Neuzugänge verbuchen. IBM beispielsweise ist kürzlich gleich beiden Vereinigungen beigetreten. Auch einige andere Unternehmen spielen gegenwärtig noch auf beiden Seiten. Bei beiden Vereinigungen, so Verge, glaubt man allerdings, dass längerfristig nur einer der beiden Standards überleben und den anderen verdrängen werde.
 
Laut Verge verfolgen die beiden Allianzen recht unterschiedliche Ansätze. AllSeen wolle einen komplett offenen Standard schaffen und konzentriere sich auf die direkte Kommunikation von Geräten untereinander, insbesondere in Privathaushalten. Der Standard soll natürlich auch für die Kommunikation der Geräte mit Servern in der Cloud gelten, aber laut dem AllSeen-Direktor Philip DesAutels ist dies für viele Applikationen nicht nötig, beziehungsweise sogar kontraproduktiv. Wenn beispielsweise ein Smartphone automatisch eine Glühbirne einschalten soll, sei es nicht wünschenswert, dass es zuerst einen Server irgendwo am anderen Ende der Welt kontaktieren muss, damit dieser dann die Birne einschalte. Wenn Geräte direkt kommunizieren, sei "accidental orchestration" möglich. Man könnte dies als "situative Zusammenarbeit" zwischen Geräten übersetzen. Der Start eines Films auf dem TV könnte beispielsweise die Dämpfung des Lichts im Raum auslösen. Eine Verbindung in die Cloud sei dazu nicht notwendig. AllSeen könnte in Kürze einen grossen Schub erfahren, denn sein Open-Source-Framework "AllJoyn" ist in Windows 10 integriert.
 
Das OIC setzt dagegen auf eine Mischung von Open-Source- und proprietären Industriespezifikationen und konzentriert sich auch stärker auf eben diese Verbindung von Geräten und Cloud. Der Standard ist laut Verge eher für die Unternehmenswelt gedacht, soll aber auch in Richtung von Anwendungen für Privatleute ausgeweitet werden. Laut dem OIC-Mann Gary Martz haben Unternehmen deutlich höhere Ansprüche an Sicherheit, Datenschutz und Authentisierungsmechanismen. Der OIC-Standard nehme darauf Rücksicht. Die Verwendung von Industriespezifikationen mache es zudem möglich, Vereinbarungen mit ähnlichen Standard-Vereinigungen eingehen zu können.
 
Das OIC hat gerade die Version 0.9.1 seiner Spezifikationen veröffentlicht. Im August soll dann die erste "produktive" Version 1.0 zur Prüfung vorgelegt werden. (hjm)
 
(Photo Startseite: Ted Van Pelt.)