Mit der Public Cloud gegen Uncle Sam

Die Deutsche Telekom will marktführender Cloud-Anbieter Europas werden – mit Unterstützung des chinesischen Huawei-Konzerns. Warum Kooperationen mit Fernost plötzlich gefragt sind.
 
"Old Europe" will Nordamerika zeigen, was eine Harke ist: Die Deutsche Telekom "greift" - nach eigenen Worten - "im europäischen Markt für Cloud-Dienste weiter an und will ihren Cloud-Umsatz mit den Geschäftskunden des Konzerns von derzeit rund einer Milliarde Euro jährlich bis Ende 2018 mehr als verdoppeln." Spannend an dieser News, die Ferri Abolhassan, Geschäftsführer der IT-Division von T Systems, gestern bekanntgab, war der Ort der Verkündung, nämlich der europäische Innovation Day des chinesischen IT-Multis Huawei.
 
Gegen AWS und Google
Damit geht der Schulterschluss mit dem Unternehmen aus Shenzhen in die nächste Runde. Bereits zur CeBIT hatten beide Firmen eine enge Kooperation vereinbart und etwa ein "Rechenzentrum aus dem Container" vorgestellt.
 
Jetzt geht es in Richtung einer europäischen Public Cloud. "Huawei steuert Hardware- und Lösungskompetenz bei, wir das Cloud-Management mit bester Verfügbarkeit über das beste Netz", erläuterte Abolhassan die neue Kooperation. Und Angriffsziel des Joint-Ventures ist eindeutig die US-dominierte Public Cloud à la Amazon Web Services (AWS) oder Google, ein Gegengewicht zu Uncle Sam also: "Wir wollen mit der Telekom bei Cloud-Plattformen jährlich um mehr als 20 Prozent wachsen und zum führenden Anbieter für Unternehmen in Europa werden", so Abolhassan weiter.
 
Bereits im Oktober wolle man erste Pilotkunden des neuen Projektes präsentieren. Konkrete Angaben zur Preisgestaltung machte der T-Systems-Manager nicht, "aber sie können sicher sein, dass wir mit der Unterstützung unseres Partners Huawei die Preise anderer globaler Anbieter werden kontern können." Aber ausgerechnet eine Partnerschaft mit China, um den USA das Fürchten lehren zu können? "Unbedingt", sagte John Higgins, Chef des europäischen IT-Industrie-Dachverbandes Digitaleurope. "Jedes Unternehmen soll uns hier willkommen sein, das bereit ist zu investieren oder beispielsweise auch einen Forschungs- und Entwicklungsstandort in Europa bereit ist zu etablieren", machte er somit auf die Dringlichkeit aufmerksam, starke paneuropäische Netzwerke aufzubauen.
 
Fünf Grundprinzipien
Ferri Abolhassan betonte ausserdem, dass die entstehende Europa-Cloud fünf unverzichtbaren Grundprinzipien entsprechen werde: Skalierbarkeit, Hochverfügbarkeit (99,99999 %), Sicherheit, Einfachheit und Kosteneffizienz. Eine grosse technische Rolle seitens T-Systems werde in diesem Zusammenhang das neu gebaute Rechenzentrum im ostdeutschen Biere in der Nähe von Magdeburg spielen. In seiner letzten Ausbaustufe soll es einmal grösstes Rechenzentrum
T-Systems-Manager Ferri Abolhassan gestern in München.
Deutschlands sein, bereits jetzt zählt der Komplex 5'400 Quadratmeter Fläche, die rund 30'000 Server beherbergen. Geplant ist, den Campus nach und nach auf etwa 40'000 Quadratmeter zu erweitern. Auch die Zahl der Server soll dementsprechend wachsen. Der Telekom-Manager machte jedoch auch deutlich, dass für diese Hochverfügbarkeit enorme Investitionen notwendig seien "Das ist ein sehr teures Business, das kann sich längst nicht jedes Unternehmen leisten."
 
"Wir freuen uns sehr, dass wir die Partnerschaft mit der Deutschen Telekom und der IT-Sparte T Systems noch weiter ausbauen können", kommentierte der chinesische Partner die Kooperation. "Nachdem wir auf der CeBIT unsere Kooperation im IT-Infrastruktur- und Private Cloud-Bereich vereinbart haben, machen wir nun den nächsten Schritt und kombinieren unser Know-how und unsere Spitzentechnologie zu einer Partnerschaft im Public Cloud-Bereich: Unternehmen aller Grössen sollen die Cloud ihrer Wahl bekommen", sagte Haibo Zhang von Huawei.
 
Auch SAP im Huawei-Boot
T-Systems ist übrigens nicht der einzige namhafte europäische Player, mit dem sich Huawei verpartnern will. Auch Softwarehersteller SAP gehört zum Kreis der Kooperationspartner. "T-Systems und SAP sind für uns strategische Partner", sagte dazu Pablo Cui, der für Geschäftskunden in Deutschland zuständige Managing Director. Ziel dieser Kooperationen: "In erster Linie grosse Konzerne, aber wir wollen mit unseren Partnern auch bestimmte Industrien mit spezifischen Cloudlösungen adressieren. Und dabei haben wir den gesamten paneuropäischen Raum im Blick", so Leon He, der bei Huawei das gesamte B2B-Geschäft in Westeuropa verantwortet.
 
Konkret erhofft sich Huawei von den Kooperationspartnern vor allem spannende Ansätze für den Bereich Cloud, Internet der Dinge und Industrie 4.0. SAP kann demnach hier mit seinem Vorzeigeprodukt HANA punkten. T-Systems bringe zusätzlich Kompetenz für "ICT-Innovationen, Transformation und neue Data-Center-Lösungen mit ein", so Leon He, und: "Diese Kooperation ist letztlich nicht mehr als die Ausweitung unserer bereits bestehenden strategischen Partnerschaft mit der Deutschen Telekom insgesamt. Nun können wir die gesamte Wertschöpfungskette adressieren, vom Endkunden über die Carrier bis hin zu den Geschäftskunden." "Der Cloud Container ist in dieser Partnerschaft nur als erster Schritt zu sehen, wir wollen auch gemeinsame Lösungen in der IP-Infrastruktur und bei IP-Netzwerken anbieten", so Pablo Cui. (Sven Hansel, München)