Exklusiv! RZ-Betreiber IX Swiss vor dem Konkurs

Initiator Frits van der Graaff als letzter Verwaltungsrat zurückgetreten. Kunden wurden in anderen RZs untergebracht.
 
Beim Rechenzentrums-Betreiber IX Swiss geht schon niemand mehr ans Telefon - das Unternehmen steht vor dem Aus. Als letzter Verwaltungsrat ist Geschäftsführer Frits van der Graaff am 18. September zurückgetreten - sein Rücktritt wurde im Handelsregister am 8. Oktober registriert. Zuvor trat bereits der bisherige Verwaltungsratspräsident, David Mapley, zurück, wie das HR am 3. Oktober vermerkte. Bereits am 17. Juni haben die bisherigen Verwaltungsräte (und ehemaligen Investoren), Stefan Fischer und Erich Troxler, dem VR der IX Swiss AG den Rücken gekehrt.
 
Da das Unternehmen nun keine Verwaltungsräte mehr hat, konnte die Bilanz noch nicht deponiert werden. Er kenne den aktuellen Stand des Verfahrens nicht, so van der Graaff auf Anfrage zu inside-channels.ch.
 
Erst vor kurzem wurde IX Swiss von den bisherigen Investoren rund um Fischer und Troxler an eine uns unbekannte Firma namens Asia-Pacific Swiss Datacenter verkauft. Gegenüber der Channel-Zeitschrift 'IT Reseller' sagte van der Graaff im Juli, dass der RZ-Betreiber zusätzliches Kapital gebraucht habe. Die bisherigen Investoren hätten das frische Geld nicht beschaffen können, hiess es in dem Artikel. Der neue Besitzer war nun offenbar nicht in der Lage oder willens, das Kapital von IX Swiss zu erhöhen. Auch findet man gemäss HR keinen Vertreter des neuen Besitzers im Verwaltungsrat. Auf der Webseite von IX Swiss, die noch funktioniert, wird hingegen Brian Cook als Vertreter einer Asia Finance Corporation genannt. Letztere Firma hat ihren Sitz in Neuseeland.
 
Zu all dem Ungemach kam hinzu, dass ein grosser Kunde von IX Swiss in Bern insolvent wurde, wie van der Graaff sagt.
 
Lösungen für Kunden gefunden
Van der Graaff betont im Gespräch mit inside-channels.ch, dass für alle Kunden Lösungen gesucht und gefunden worden sind. Der Untergang von IX Swiss hat gemäss van der Graaff also keine IT-Infrastrukturen von Kunden ausser Betrieb gesetzt.
 
Der Konkurs eines RZ-Betreibers ist für Kunden eine Schreckensvorstellung. Im Konkursfall werden alle Leistungen wie Stromlieferungen und Kommunikationsdienstleistungen sofort eingestellt und das Konkursamt legt Hand auf alle Assets. Der Kunde eines Rechenzentrums-Betreibers könnte seine Server also nicht mehr betreiben und käme wohl auch nicht mehr an diese heran.
 
Platzt nun die RZ-Blase?
IX Swiss ist mit nach eigenen Angaben 3'000 Quadratmetern Server-Fläche kein kleiner Player. Wie viele der theoretisch 3'000 Quadratmeter Fläche tatsächlich vermietet waren, wissen wir nicht.
 
Ein weiterer Player, Swissfiberinvest ("Swiss Datahall"), wurde erst diese Woche an Hiag Immobilien verkauft. Über die Gründe für den Verkauf schweigen sich die bisherigen Besitzer aus. Sie wollten in der ehemaligen Alufabrik Menziken ein RZ mit fast 8000 Quadratmeter Nutzfläche bauen und konnten nach eigenen Angaben bis jetzt langfristige Verträge für 800 Quadratmeter abschliessen. Hiag Immobilien spricht nun von nur 3000 Quadratmeter RZ-Fläche, die geplant seien.
 
Die interessante Frage ist, ob der Rechenzentrums-Boom nun an seine Grenzen stösst. Sind der Verkauf von Swiss Datahall und der Untergang von van der Graaffs Venture IX Swiss eine Randerscheinung oder Vorboten des Platzens einer Blase?
 
Andere Player bauen ihre Rechenzentren tüchtig aus. Im riesigen Rechenzentrum von E-Shelter in Rümlang wird zurzeit ein weiteres Stockwerk mit Infrastruktur versehen, Equinix erweitert den Standort in Oberengstringen und Green eröffnet nächste Woche einen neuen Trakt des Rechenzentrums in Lupfig. (Christoph Hugenschmidt)