Auslandsexpansion braucht "Kriegskässeli"

Expansionspläne hegen einige, wenige wagen aber den Schritt. Tipps und Tricks dafür gab es gestern einige.
 
Gestern Abend lud das Label Swiss Made Software zu einem Exportevent im Au Premier am Zürcher Hauptbahnhof ein. Die Stimmung war die ganzen vier Stunden gut, wenn auch die Referenten nicht nur Gutes zu vermelden hatten: Ins Ausland zu expandieren ist nicht nur Zuckerschlecken. Von ihren Erfahrungen, Erfolgen und Niederlagen erzählten Boris Kraft, CTO von Magnolia, Andrej Vckovski, Netcetera-CEO, Micha Kiener, CEO von Edorasware, Urs Prantl von KMU Mentor und Appway-CEO Hanspeter Wolf.
 
Magnolia ist in England gestartet, und macht nun in mehr als 100 Ländern Geschäfte. Netcetera zog es nach Dubai, Edorasware nach Spanien, Appway nach Amerika - wo sie auch heute noch sind. KMU Mentor jedoch hatte nach eineinhalb Jahren den Versuch gestoppt, nach Amerika zu expandieren. Trotz den verschiedenen Ausgangslagen und Erfolgen haben alle etwas gemeinsam: Es ging länger, sich in einem fremden Markt zu integrieren, als sie gedacht haben. Hierzu wurde am Abend mehrfach auf Hofstadters Gesetz verwiesen: Es dauert immer länger als man denkt. In ihrem Fall sei sogar die verschärfte Variante eingetroffen: Es dauert immer länger als man denkt, auch wenn Hofstadters Gesetz mit einbezogen wird.
 
Einig waren sich die Redner gestern alle, dass man sich mit Eigenkapital auf das Abenteuer einlassen soll, statt Fremdkapital zu beanspruchen. Es sei wichtig, unabhängig zu sein, meint der Magnolia-CTO Kraft. Er erzählte, dass sie zu Beginn einen Kredit bei einer Bank aufgenommen hatten. Er rate aber davon ab: "wenn alles schlecht läuft, kommt dann auch noch die Bank, die ihr Geld zurück haben will." Der Start des Softwareherstellers war besonders harzig. Zwei Jahre lang haben sie sich keinen, oder nur einen kleinen Teil, ihres Lohnes ausbezahlt. "Hätte ich keine Apple-Aktien gehabt, die ich in dieser Zeit verkaufen konnte, gäbe es Magnolia heute wahrscheinlich nicht," führt Kraft aus. Nach rund vier Jahren war das Unternehmen über dem Berg.
 
Netcetera-Chef Vckovski bat die Anwesenden sogar inständig, sich nur mit Eigenkapital auf eine Expansion einzulassen. Ein bisschen sparen müsse man halt schon, unter einer halben Million "Kriegskässeli" soll man diesen Versuch gar nicht erst starten. Bei Netcetera habe es rund drei Jahre gedauert, bis die Expansion rentabel geworden sei.
 
Von Anfang an mit Profis vor Ort
Auf die Frage, was die Referenten im nachhinein anders machen würden, meinte Edorasware-Chef Kiener, dass er viel früher auf Profis vor Ort setzen würde. Die administrativen Fragen in einem fremden Land seien so verschieden zu unseren, dass man das ohne Hilfe fast nicht hinkriege. "Ich ärgere mich noch heute grün und blau über jeden Franken, den wir dort in den Sand gesetzt haben." Trotzdem fragte sich Prantl von KMU Mentor am Schluss der Veranstaltung sogar, ob er vielleicht nicht länger in Amerika hätte ausharren sollen. (Linda von Burg)
 
Intressenbindung: Wir sind Medienpartner von Swiss Made Software.