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Dienstag, 10.07.2012
Microsoft macht Partner heiss auf Windows 8

Cirque du Soleil
Die rigide Informationspolitik hat ein Ende: Auf seiner weltweiten Partnerkonferenz hat Microsoft endlich den Verkaufsstart von Windows 8 bekanntgegeben. Indes, so ein Branchenexperte, sollten sich Partner nicht allein auf diese Plattform verlassen.
 
Auf der Worldwide Partner Conference (WPC) in Toronto musste Microsoft sprichwörtlich erst einmal einen Zirkus veranstalten: Bevor CEO Steve Ballmer die 16'000 Teilnehmer – neuer Teilnehmerrekord - in gewohnt enthusiastischer Manier auf seine Company einschwor, gaben die Artisten des Cirque du Soleil Vollgas auf der Bühne: Feuerschlucker spuckten grosse Flammen und Ballmer anschliessend grosse Töne: "Windows 8 ist das vielversprechendste Produkt unserer Firma seit 17 Jahren", so Ballmer, der dann seine Mitarbeiterin Tami Reller zum eigentlichen Highlight des Tages kommen liess: Windows 8 in der RTM-Version werden die Hardware-Hersteller in der ersten Augustwoche bekommen, die grundsätzliche Verfügbarkeit des neuen Betriebssystems kündigte Reller in ihrer Funktion als Corporate Vice President und CFO für die Windows-Produkte für Ende Oktober an.
 
Planungssicherheit
Damit hat die nunmehr wochenlange Geheimniskrämerei von Microsoft, die Branchenexperten sehr stark an Apples Produktpolitik erinnert, endlich ein Ende. Ein wichtiger Schritt für Anwender aber vielmehr noch für die Partner, wie Analyst Axel Oppermann sagt: "Mit der Ankündigung hat Microsoft Fakten geschaffen. IT-Entscheider bekommen Planungssicherheit und der IT-Channel kann seine Services entsprechend ausrichten", so der Senior Advisor der Experton Group. Und Oppermann weiter: "Bei der Einführung von Windows 8 handelt es sich wahrscheinlich um den gewaltigsten Schritt seit der Umstellung von Windows 3.x auf Windows 95." Mit Windows 8, so Oppermann, kämen allerhand Innovationen, die eine starke und umfassende Neuausrichtung des Client-OS auf eine neue Stufe nahelegen würden. Hierbei seien insbesondere das neue User Interface ("Metro"), die Ausrichtung auf Touch-Bedienung sowie die Konfektionierung für Tablets zu erwähnen.
 
Windows 8 und die anderen
Das neue Produkt wird Microsoft, so Tami Reller, in 109 Sprachen in 231 Länder ausliefern. Auf der WPC zeigte Reller darüber hinaus neue für Windows 8 optimierte Hardware. Neben dem bereits bekannten Lenovo Yoga, das um 360 Grad drehbar und sowohl als Ultrabook als auch als Tablet nutzbar ist, frische Geräte von Acer, Samsung und Fujitsu. Zudem Tablets von Asus mit ARM und auch Intel-Prozessoren und schliesslich einen Tablet-Prototypen von Qualcomm. Dabei demonstrierte Reller aber ebenfalls, wie sich auch herkömmliche Geräte ohne Touchscreen mit dem neuen Betriebssystem nutzen lassen können, und zwar über das integrierte Touchpad.
 
Indes ist Oppermann skeptisch, ob sich das neue Produkt so wie von Ballmer gewünscht am Ende des Tages als Gewinner durchsetzen wird. "Angesichts der Entwicklungen im Tablet-Markt durch die Angebote von Apple als Komplettanbieter und Android als Plattform gilt es, auch die Bedeutung des Client-Betriebssystems im Allgemeinen und die Lizenzierung von Windows für den Client im Speziellen zu reflektieren." Er rät den Channelverantwortlichen deshalb, sich nicht allein auf Windows 8 zu verlassen und sowohl Android als auch Apples Plattform weiter scharf im Blick zu behalten: "Der IT-Channel muss sich bei Sortimentszusammenstellung auf die dynamischen und stark heterogenen Anforderungen der Kunden, Unternehmen und Konsumenten, einstellen. Eine Fokussierung auf die eine Plattform Windows 8 mit den jeweiligen Angeboten der OEMs wird nicht ausreichen. Der Markt bietet so viel mehr – und den Anwendern ist dies auch bekannt", so der Analyst.
 
82-Zoll-Multitouch-Display
Überzeugen konnte Steve Ballmer allerdings mit einem Gerät, das ausschliesslich für den B2B-Sektor interessant ist. Dabei handelt es sich um ein 82-Zoll-Display des US-Unternehmens Perceptive Pixel, dessen Akquisition Ballmer praktischerweise gleich mit bekannt gab. Dieses Multi-Touch-Gerät basiert auf einem herkömmlichen Windows-8-PC und ist mit einer sehr robusten Oberfläche versehen. Damit lässt sich in Präsentationen hineinzoomen, und der Anwender kann mittels Eingabestift sämtliche Dokumente mit handschriftlichen Notizen versehen. Auch die Video-Funktionalitäten, die Perceptive Pixel-CEO Jeff Han auf der WPC-Bühne vorführte, konnten überzeugen.
 
Bekannt geworden sind die Displays des Unternehmens durch den US-Wahlkampf 2008, in dem CNN und andere Sender die interaktiven Fähigkeiten der Bildschirme ausschöpften und die durch die Windows-8-Benutzeroberfläche voraussichtlich nun eine wesentliche Qualitätssteigerung erfahren werden. Somit bewegt sich Microsoft mit Perceptive Pixel nach der Surface-Ankündigung zum zweiten Mal innerhalb kürzester Zeit weiter in Richtung Hardware – beachtlich.
 
Echten Beifall auf der WPC löste dann nur noch die Ankündigung von "Microsoft Office 365 Open" aus. Dabei handelt es sich um ein Paketangebot der Cloud-Office-Suite, bei dem Microsoft-Partner direkt mit den Endkunden die jeweiligen Subskriptionen abrechnen können und nicht mehr über Microsoft gehen müssen. (Text und Foto: Sven Hansel, Toronto)
 
(Foto: Artisten des Cirque du Soleil, die zu Beginn der Keynote im wahrsten Sinne des Wortes "eingeheizt" haben)
 
Interessenbindung: Der Autor nimmt auf Einladung von Microsoft an der Worldwide Partner Conference in Toronto teil.
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