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Mittwoch, 04.04.2012
Wird die Schweiz ein Datentresor?

Der Markt für Rechenzentren boomt. Brauchen RZ-Betreiber eine landesweite Vereinigung?
 
Im schicken Hotel Schweizerhof in der Bundesstadt fand gestern der Swiss Data Center Community Event statt. Eingeladen haben die beiden Standortförderungsorganisationen Zurich IT Valley und eZürich, die unter der Leitung von SF-Frau Patricia Laeri über den Stand der Dinge im Bereich Data-Center-Boom informierten.
 
Durch die rasant zunehmende Informatisierung der Wirtschaft und Gesellschaft sowie durch das Zusammenwachsen von Informatik und Telekommunikation werden Data Center immer mehr zum Rückgrat der Volkswirtschaft. Aktuell existieren in der Schweiz über 400 Data Center, wovon rund 50 eine Fläche von über 500 Quadratmeter "besetzen". Die Investitionskosten belaufen sich auf rund 10 - 20'000 Franken pro Quadratmeter. Der Bedarf an Leistungsfähigkeit, Sicherheit und Qualität von Rechenzentren stellt die kleine Schweiz vor grosse Fragen: So fehlen personelle Ressourcen und einheitliche Qualitätsrichtlinien für Schweizer RZs.
 
Was heisst das konkret? Bis heute gibt es keine landesweite Vereinigung, die sich dafür einsetzt, dass die in der Schweiz tätigen Data Center Betreiber wirtschaftlich und politisch optimale Rahmenbedingungen erhalten. "Die ICT-Branche soll so werden wie die Schweizer Uhrenindustrie", sagt Andreas Kaelin, Mitglied des Vorstands ICTswitzerland. Informatik sei bereits "heimlich die mächtigste Branche" der Schweiz. Nationalrat Ruedi Noser sagt: "Wer sich nicht meldet, wird nicht gehört – ICT muss positiv wahrgenommen werden und dann hat auch der Bundesrat Ohren dafür".
 
Schweiz als Datentresor oder Drehscheibe?
Die meisten Rechenzentren stehen im Grossraum Zürich. Der Standort Zürich sei der Motor der Wirtschaft "und hier soll es passieren", sagt Daniel Heinzmann, Direktor OIZ und damit "CIO" der grössten Schweizer Stadt. Der Zuwachs von Data Centern bringt rechtliche Probleme mit sich, wie Rechtanwalt Mark A. Reutter, der auf Gebiete wie Technologie spezialisiert ist, sagt: "Die Schweiz hat ein schlechtes Rechtswesen, wenn es um solche Angelegenheit geht". Ein "Dachverband" würde nur schon aus dem Grund Sinn machen, weil er eine einheitliche Regelung für die Schweiz mit RZ-relevanten Zertifikaten wie SAS 70, ISO, DSG geltend machen könnte. In Bezug aufs ROW-Rechtswesen (Rest oft the World) betont Reutter: "Die USA ist unberechenbar und holt sich Schweizer Daten, wenn sie will!"
 
Welche Massnahmen muss die RZ-Branche also ergreifen? Roger Weber, Co-Leiter der Fachgruppe Data Center Infrastructure der asut sagt: "Es sollte ein Konzept erarbeitet werden und man müsste die Institutionen und Verbände miteinbeziehen." Ebenso müssten Marktdaten erhoben werden und die Gesellschaft darauf sensibilisiert sein, dass die Schweiz von Data-Center-Business profitiert. Auch SLA-basierte Dienstleistungsabkommen müssten professioneller daherkommen.

Die Botschaft aller Anwesenden aus der ICT-Community war aber ganz klar: Keine neuen Vereine gründen, Kräfte bündeln und zusammenspannen, heisst die Devise. (Hanna Lauer)
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Kommentare:
Tomy Huber 05.04.2012 11:17 Wir brauchen keine neuen staatlichen Organe oder Gesetze für eine Branche, die bestens funktioniert. Hier versuchen einige Leute Regeln und Richtlinien einzuführen, die es so gar nicht braucht.
 
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