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Dienstag, 28.02.2012
Swisscom-Grosskundenbereich im (permanenten) Umbruch

Umsatzverluste müssen durch dauernde Innovationen wettgemacht werden, erklärt Urs Schaeppi, Chef des Grosskundenbereichs von Swisscom.
 
Swisscom konnte im Geschäft mit Grosskunden letztes Jahr einen Umsatz von 1,865 Milliarden Franken erzielen, 0,4 Prozent mehr als 2010. Das tönt nicht sehr beeindruckend, aber auch um den Umsatz nur zu halten, muss Swisscom gut arbeiten, wie Urs Schaeppi, Chef des Geschäftsbereichs Grossunternehmen antönt: "Wenn es Swisscom nicht schafft, Innovationen zu bringen, geht der Umsatz zurück", erklärte er an einer Pressekonferenz heute Morgen.
 
In der Grosskundenabteilung beschäftigt Swisscom gegenwärtig rund 2400 Mitarbeitende, 4 Prozent mehr als 2010, und hat etwa 6000 Kunden. Die Grenze zum "Grossunternehmen" sitzt dabei eher irgendwo an der Schnittstelle vom Klein- zum mittelgrossen Unternehmen. Durch die Grosskundenabteilung werde "jeder Kunde, der für uns wirtschaftlich ist", betreut, so Schaeppi. Die Grenze dafür setzt er bei 50'000 bis 60'000 Franken potentiellem Jahresumsatz für Swisscom an.
 
Die Umsätze in den traditionellen Geschäften lassen zwar nicht an allen, aber an diversen Ecken und Enden dauernd nach. So sind beispielsweise im mobilen Bereich laut Swisscom 2011 die Preise für Roaming um 17 Prozent und die Preise für mobilen Datenverkehr um 30 Prozent gesunken. Insgesamt ging der durchschnittliche Umsatz pro Kunde und Monat im Wireless-Bereich um über 10 Prozent auf nunmehr 60 Franken zurück. Im Festnetzbereich seien die Preise zwar mittlerweile stabiler, aber "auf sehr tiefem Niveau", so Schaeppi. Im Festnetzbereich hat der Umsatz in den letzten vier Jahren insgesamt um rund 20 Prozent nachgelassen.
 
Starkes Wachstum für Managed Services
Um den Rückgang in den traditionellen Geschäftsbereichen Telefonie und Datenservices auszugleichen, sucht Swisscom dauernd nach Zusatzumsätzen aus neuen Geschäftsbereichen. In den letzten vier Jahren stieg zum Beispiel der Umsatz mit ICT-Services um 65 Prozent, so dass sie jetzt rund einen Fünftel des Gesamtumsatzes ausmachen. Der aktuelle Renner im Grosskundenbereich scheinen die "Managed Services" von Swisscom zu sein. Der Telco fasst darunter diverse Dienstleistungen in den Bereichen Communication und Collaboration, Device-Management, Security sowie Cloud-Computing und Housing zusammen. Das Umsatzwachstum mit Managed Services lag laut Schaeppi 2011 "im hohen zweistelligen Prozentbereich". Für dieses Jahr hofft Swisscom sogar auf Wachstum im dreistelligen Bereich, also über 100 Prozent.
 
Neue Schweizer Plattform für Cloud-Computing geplant
Im Cloud-Computing-Bereich will Swisscom übrigens anscheinend den Zustand, dass intern "alle ein bisschen Cloud machen", wie es Schaeppi ausdrückte, beenden. Die Grosskundenabteilung, Swisscom IT Services und der KMU-Bereich haben gegenwärtig teilweise überlappende Angebote, die auf unterschiedlicher Infrastruktur beruhen. Der Geschäftsbereich Grossunternehmen bietet beispielsweise Cloud-Services als Reseller von Verizon und anderen US-Partnern an. In Zukunft will Swisscom aber laut Schaeppi eine einheitliche Cloud-Infrastruktur für alle Abteilungen aufbauen. Wichtig für manche potentielle Grosskunden: Die Daten werden dann in der Schweiz gespeichert, und nicht mehr in ausländische Rechenzentren wandern.
 
Hoffnungsträger M2M
Mittelfristig hofft Swisscom auch auf kräftig steigende Umsätze aus der drahtlosen Kommunikation von Maschine zu Maschine, beziehungsweise "M2M". Kürzlich wurde dafür eine eigene Abteilung gegründet.
 
Bereits jetzt sind laut Swisscom überraschende 51,9 Prozent aller mobilen "Datenabonnenten" Maschinen. Das sind beipielsweise Lieferwagen, die der Zentrale dauernd ihren Standort funken, Öltanks, die ihren Ölstand melden, Navis, die laufend neue Daten erhalten, Automaten, die Bezahlung per Handy erlauben, Kaffeemaschinen, die automatisch den Service anfordern, Alarmanlagen, Stromzähler und vieles mehr. Die Einsatzgebiete sind also äusserts divers.
 
Der Umsatz pro "Abonnent", den ein Telco wie Swisscom erwarten kann, ist allerdings normalerweise sehr gering, um einen Faktor oder mehr tiefer als bei normalen Abonnenten. Maschinen haben halt doch ein etwas geringeres Mitteilungsbedürfnis als Menschen. Kleinvieh macht aber auch Mist, vor allem, wenn es sehr sehr viel Kleinvieh ist: Längerfristig, so Swisscom, rechne man hierzulande mit rund 100 Millionen "kommunizierenden Objekten", also wesentlich mehr, als die Schweiz Einwohner hat. (Hans Jörg Maron)
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