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Montag, 13.02.2012
Actebis wird "verschweizert"

Also-Actebis umschifft Klippen der Fusionswirren erfolgreich. Wieder Troubles in Skandinavien. Aufbau des Apple-, Service- und VAD-Business in Deutschland.
 
Der paneuropäische Distributor Also-Actebis hat das erste Jahr seit der Fusion der beiden ehemaligen Konkurrenten offenbar gut überstanden. So erzielte der Konzern einen Umsatz von 6,2 Milliarden Euro, praktisch gleich viel wie die beiden Unternehmen zusammen 2010 gemacht hatten. Auch der Gewinn brach nicht ein: Der Betriebsgewinn (vor Steuern und Zinsen) betrug 86,2 Millionen Euro, wovon 18,9 Millionen Euro für Kaufpreisallokation und Fusionskosten abzuziehen sind. Zum Vergleich: 2010 erzielten Also und Actebis gemeinsam noch einen Betriebsgewinn von 108,8 Millionen Franken, also (ja nach Euro-Franken-Kurs) etwa gleich viel wie letztes Jahr. Berücksichtigt man, dass der für jeden Disti wichtige PC-Markt in Westeuropa massiv geschrumpft ist, so können die Zahlen von Also-Actebis durchaus als positiv bewertet werden.
 
Leider veröffentlicht Also-Actebis keine Zahlen aus der Schweiz mehr, sondern fasst diese im Bereich "Zentraleuropa" zusammen. In Deutschland, Frankreich und der Schweiz machte Also-Actebis einen Umsatz von 4,7 Milliarden Euro und erzielte einen Gewinn auf EBITDA-Stufe (vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen) von 74 Millionen Euro. Man kann aber davon ausgehen, dass Also Schweiz den brutalen Einbruch im Schweizer Consumer- und PC-Geschäft dank dem Vertriebsvertrag mit Apple einigermassen kompensieren konnte.
 
Wieder Probleme in Skandinavien
Wieder einmal enttäuschend verlief das Geschäft in Skandinavien. So hat die Einführung von SAP in Norwegen offenbar zu Problemen und dem Verlust von Kunden geführt, die man allerdings gemäss Also-Actebis-Chef Klaus Hellmich im zweiten Halbjahr 2011 wieder zurückgewinnen konnte.
 
Und in Finnland hat ausgerechnet der frühere GNT-Besitzer Mikko Pakkanen das viele Geld, das er von Also erhalten hat, offenbar dazu eingesetzt, einen Konkurrenten zu gründen und wichtige Leute von seinem ehemaligen Arbeitgeber abzuwerben.
 
Obwohl Also seit dem Einstieg in den nordeuropäischen Distributionsmarkt 2006 immer wieder teils massive Probleme erlebt hat, sei der damalige Schritt richtig gewesen, so Also-Actebis Verwaltungsratspräsident Thomas Weissmann am Rande der Medienkonferenz zu inside-channels.ch. Man müsse einerseits berücksichtigen, dass Also in Skandinavien durchaus auch Gewinne eingefahren habe und andererseits, dass Also-Actebis in ganz Skandinavien nun gut vertreten ist und auch gegenüber Herstellern eine gute Position habe, so Weissmann.
 
Also-Actebis Deutschland aus den Spuren von Also Schweiz
Wie Also-Actebis COO Gustavo Müller-Hergt heute ankündigte, wird der Distributor in Deutschland, seinem mit Abstand wichtigsten Markt, den Vertriebsvertrag für Apple erhalten. Doch nicht nur das erinnert an Also Schweiz, sondern auch eine ganze Reihe von mit Abkürzungen (von C2C, CIA über KISS bis zu PIP) versehenen Programmen zur Steigerung der Profitabilität des Konzerns. So will Also-Actebis künftig die Profitabilität jedes einzelnen Herstellers und Kunden messen.
 
Ausserdem will Möller-Hergt auch mit Also-Actebis Deutschland ins Dienstleistungsgeschäft einsteigen. Man sei mit einem Hersteller im Gespräch, dem man nicht mehr als klassischer Grosshändler Produkte abkaufen werde, sondern von dem man sich pro Transaktion bezahlen lasse, so Möller-Hergt. Zu den Dienstleistungskunden von Also Schweiz gehören etwa alle drei Mobilnetzbetreiber, Swisscom IT Services und seit neuestem die Post.
 
Zudem soll Also-Actebis Deutschland ähnlich aufgestellt werden wie Also Schweiz. So wird das VAD- und sowieso das Service-Geschäft ("Value") vom Massengeschäft ("Volume") organisatorisch getrennt.
 
Konzerngewinn soll verdoppelt werden
Fast nicht glauben konnte ein Kollege aus Deutschland die klare Aussage von Möller-Hergt, man wolle keinen der drei Standorte in Deutschland aufgeben. Der Also-Actebis-COO argumentierte, sein Konzern habe in Mitteldeutschland (am ehemaligen Actebis-Standort Soest) Zugang zu qualifizierten Mitarbeitenden, die künftig immer wichtiger würden.
 
Man rechne für nächstes Jahr zwar mit weniger Umsatz, aber mit einem höheren Gewinn, so die Prognose von Also-Actebis-CEO Hellmich. Mittelfristig will der Konzern einen EBITDA von 120 bis 130 Millionen Euro und einen Reingewinn von 50 bis 55 Millionen erreichen - etwa doppelt so viel wie heute. Das ist unter drei Bedingungen erreichbar: Die Konjunktur in Europa darf nicht einbrechen, Also-Actebis muss ein "krisenloses" Jahr in Skandinavien schaffen und es dürfen keine neuen Problem in Frankreich, der Schweiz oder gar dem Hauptmarkt Deutschland auftreten. (Christoph Hugenschmidt)
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